Plattenpapzt

 

Vinyl Richie 71, wie der Plattenpapzt auch genannt wird, gehört zu den deutschen Hip Hop  DJs der ersten Stunde. Mit seiner Stammcrew, der Fresh Familee, hat er 1991 eines der ersten Rap Alben diesseits des Atlantiks aufgenommen. 1995 erschien sein erstes Soloprojekt "Plattenpapzt &Freunde - Alles Wird Gut". In der letzten Zeit hat der Plattenpapzt aber vor allem durch seine regelmäßige Partyreihe "Skillz und Technix" im Düsseldorfer "Zakk" von sich reden gemacht, wo er gute Kontakte zur Elite des deutschen Sprechgesangs knüpfen konnte.

Jetzt hat der Plattenpapzt zur Audienz gebeten und beinahe alles, was in der Rapublik einen Namen hat, ist gekommen. Für "Full House" gaben sich im Düsseldorfer Headrush Studio einige der bekanntesten MCs der deutschen HipHop-Community die Klinke in die Hand. So sind von Thomas D & Smudo über Ferris MC, Afrob & Wasi, Curse, Gentleman & MC Rene bis hin zu den Spezializtz MCs der ersten Reihe vertreten. Den Soundtrack zum Stelldichein des deutschen Sprechgesangs hat der Düsseldorfer Beatbastler Roman Preylowski a.k.a. Roe Beardie produziert. Der Plattenpapzt hat das Rohmaterial aus seiner Vinyl-Sammlung geliefert und Beardie daraus die fertigen Songs geschmiedet. Die Samples und Melodien sind zu größten Teil recht ordentlich. Soulige Grooves wechseln sich mit fetten Beats ab; aber nur die wenigsten der 18 Tracks brennen wirklich. Insgesamt ist "Full House" keine große Überraschung und schon gar keine "Next Level Produktion", wie es die Plattenfirma gern hätte. Die bekannten MCs haben allesamt das abgeliefert, was man von ihnen erwartet hat. Die besten und innovativsten Skills auf "Full House" sind von den eher unbekannteren MCs: Tefla & Jaleel, Kool Savas, und Brixx. Die Chemnitzer Tefla & Jaleel zeigen auf "Wenn Zonis reisen", dass es immer noch guten Stoff für HipHop Texte jenseits von "Ich hab Styles und du nicht!" gibt. "King of Rap" Kool Savas hingegen, der sich gerade von Berlins berüchtigtste Crew Westberlin Maskulin getrennt hat, lehnt sich battletechnisch extrem weit aus dem Fenster. Auch die bisher kaum beachtete Brixx kickt für den Plattenpapzt verdammt gute Reime. Namen sind manchmal eben doch mehr Rauch als Schall.